Donnerstag, 30. oktober 2008
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...ich würde am heck der fähre stehen und ins aufgewühlte fahrwasser schauen. dazu würde ich rauchen und zu sehen wie die insel am horizont kleiner wird. ich lehne mich auf die reling, die
morgensonne scheint, sie glitzert im meer. der tag fährt zu dieser zeit seine temperaturen hoch, somit ist es noch angenehm frisch. das morgenlicht erzeugt diese ein-neuer-tag-beginnt-stimmung.
während ich da so stehe und rauche, würde ich all die momente und situationen reflektieren, die mich im letzten halben jahr beschäftigt hatten. die fähren der toremar-gesellschaft haben ein sehr
steiles heck, das senkrecht abfällt und ich somit direkt auf das fahrwasser schauen kann.
doch stattdessen regnet es und ich sitze im großraumabteil auf dem a-deck, ziemlich genau in der mitte des raums in einer der vielen sitzreihen. is nix mit rauchen und tiefgreifend philosophische
gedanken ins aufgewühlte wasser ablassen. neonlicht, vibrierende tische, schepperndes geschirr, abgenutzte sitzreihen, immerhin mit leder beschlagen und lautes gebrabbel. der allgemeine italiener
bevorzugt die direkte kommunikation, unterstützt von sportlicher handakrobatik sowie einer raumfüllenden lautstärke. meine arme sind vor meiner brust verschränkt, meine füße über kreuz auf der
verse abgestellt. der kopf liegt im nacken. in dieser haltung beobachte ich die decke. das schiff fährt richtung festland. der kopf fällt nach vorn. mir gegenüber sitzt eine frau. ich sehe sie von
der seite. ihr gegenüber sitz auch eine frau. die ist derbe alt. ich schaue mich um und stelle fest, das a-deck ist im verhältnis 3:1 mit frauen besetzt. ich drehe mich um und direkt hinter mir
sitzt eine kleine frau. ihre haare sind sehr dunkel und sie trägt sie offen. ihre klamotten sind echt schick. also mode-technisch sind die jungen italienerinnen echt ganz weit vorn. in dem
augenblick, wo ich sie anschaue schaut sie hoch. spürt sie meinen blick? bestimmt. ich starre sie an. schwarze augen, braun und absolut perfekt. riesige brüste spannen ihr t-shirt. alle sitzen
irgendwie allein in der gegend rum und fixieren irgendwas. bücher. armlehne. wandfuge. niemand sitzt direkt neben jemanden. zwischen den leuten sind immer gleich mehrere plätze frei. fähre fahren
is wie u-bahn fahren.ich drehe mich wieder um. mein rechter arm ist auf der rückenlehen neben mir oben aufgelegt.
die langeweile und die monotonie der überfahrt sind mir ins gesicht gemeißelt. ich müsste mich freuen. ich fahre nach hause. wäre ich doch bloß schon da. alleine reisen ist einfach mal richtig
scheiße. wenn reisen so toll ist, wieso haben die dann das flugzeug erfunden? wenn sie könnten, dann würden sie reisen in lichtgeschwindigkeit anbieten. fitz! schon bin ich da. kostet eine
schweinegeld, geht aber richtig schnell. aber nein, ich sitze hier und mein gehirn braut irgend so ne kranke scheiße mit der kleine dunkelhaarigen zusammen. wir würden beide aufstehen und uns an
einem ort treffen, an dem wir uns ungezügelt dem widmen, wonach beiden der sinn steht. auf einer riesigen italienischen fähre aus rostigem stahl ist der ort in jedem fall richtig dirty. sie ganz
sicher auch. hm. in welchem bereich meines hirns werden diese gedanken oder vorstellungen eigentlich produziert? ich bewundere meine gedanken und mein bewusstsein und ihre multitasking-fähigkeit.
auf mehreren baustellen gleichzeitig zu agieren und dabei nicht komplett außer kontrolle zu geraten. beeindruckend. hin und wieder kommt es vor, dass sich eine frage mitten reinsetzt in meine
gedankenwelt. wie ein kleines dickes kind an der pommesbude am strand sitzt sie da. die frage. mitten drin. um sie herum alle möglichen gedanken. sie werden von ihr verdrängt. sie schafft es, alle
positiven und negativen energien zu neutralisieren indem sie einen nebel absetzt, der die realität verzerrt. von nun an werde ich die dinge anders sehen. von nun an muss sich mein bewusstsein mit
der gleichgültigkeit rumärgern. jeder gedanke wird angegriffen von ihr und bekommt ihren stempel aufgedrückt bevor er in das bewusstsein übergeht.
wir haben das festland erreicht. der hafen von piombino ist nun unmittelbar vor uns. die lautsprecher knacken und eine stimme gibt jedem auf diesem schiff zu verstehen, sogar den tauben, das wir
nun in kürze anlegen werde. echt wahr? hatte mich schon gefragt, warum alle an der tür stehen und ihre regenjacken anhaben. nun, dann steh ich auch mal auf, pack mein zeug und stell mich an die
tür, könnte ja den hafen verpassen! die kleine mit dem gespannten t-shirt steht neben mir. ich schaue sie wieder an und sie erwiedert meine blick. sie schaut immernoch. ich auch. von der seite
dringt eine stimme zwischen uns. oh, eine hackfresse! kannst du kurz die fresse halten, wir sind hier beschäftigt! die kleine kennt die hackfresse. eine feundin/kollegin/whatever is mir auch
komplett egal. während sie angeregt drauflosquatscht legt die fähre an, die tür öffnet sich, die gangway wird angesetzt, es regnet. die menschentraube drückt sich unwollend aber zielstrebig in
richtung loch in der bordwand. die gangway ist derbe glitschig und mein schrottigen schuhe haben schwiergkeiten sich auf dem blanken metall zu halten. wir müssen einge stufen runter. ich setzt
meine kapuze auf und schütze meine haare vor dem ach so gefählichen regen. miss t-shirt und ihre scheiß freundin/kollegin/whatever gehen direkt hinter mir und sie quatscht immernoch irgend so ne
scheiße daher. kein mensch will das wissen verdammt. ich rutsche aus. unverhofft und total spontan. mein riesiger rucksack fängt den sturz ab meine reisetasche mit der tauchausrüstung rutscht die
stufen runter. nichts passiert. allet chico. interessiert eh kein. weiter.
es ist jetzt nach 9:00 und ich muss meine zug bekommen. direkt am hafen ist auch der bahnhof. wo denn? schilder? hinweise? hallo? um 26 geht der zug. ich hab keine ahnung. alle laufen in eine
richtung. am ende des stroms aus menschen seh ich zwars nix aber passt schon. aha, die breite maße wirds schon richten. dat isser, der bahnhof. steigt sie auch ein? ich lauf weiter vor. ich steig
ein und sitze...